In Deutschland gibt es bereits zahlreiche Suchportale für Patienten mit der Bewertungsmöglichkeit der besuchten Arztpraxis oder Zahnarztpraxis. Von Patientenseite werden die Angebote, z. B. bei der Suche nach einem Zahnarzt, mit steigender Tendenz wahrgenommen. In unserer aktuellen Marktforschungsstudie befragen wir Patienten u. a. danach, ob Such- und Bewertungsportale bei der Online-Recherche in Betracht kommen: Immerhin gaben 45 % der bisher befragten Personen an, dass sie die Recherche in Bewertungsportalen für Ärzte oder Zahnärzte ernsthaft in Erwägung ziehen würden.

Welche kritischen Fragen sollte sich jede Arztpraxis oder Zahnarztpraxis vor der Anmeldung bei einem solchen Bewertungsportal stellen?

  • Angenommen, Ihre Arztpraxis oder Zahnarztpraxis erhält nur drei oder vier Einträge: Wie aussagekräftig ist das?
  • Wenn Sie drei positive und eine negative Beurteilung erhalten, wiegt die negative deutlich schwerer. Menschen schenken dem Negativen tendenziell höhere Beachtung!
  • Patienten geben Ihre Bewertung anonym ab. Sie haben kaum Möglichkeit zu reagieren.
  • Es kann ggf. sehr schwierig werden, negative Einträge wieder aus dem Portal herauszubekommen, auch wenn diese nicht zutreffend oder für Sie nicht nachvollziehbar sind.
  • Es kann Ihnen passieren, dass sich Wettbewerber anonym als unzufriedene Patienten ausgeben. Diese Form des „Guerillamarketing“ ist mittlerweile weit verbreitet.
  • In wie weit ist selbst ein aufgeklärter Patient in der Lage ein fachliches Urteil über die Qualität der Behandlung abzugeben? Marketing und Ethik stoßen hier an Grenzen.

Fazit: Der schnelle Sucherfolg für die eigene Arztpraxis oder Zahnarztpraxis in Bewertungsportalen im Internet scheint verlockend zu sein. Über die Risiken eines Eintrages sollte sich jeder bewusst werden. Vor dem Eintrag sollte der Portalanbieter im Hinblick auf die Qualität und Seriosität geprüft werden, z. B. ob unzutreffende Einträge wieder entfernt werden können oder ob Links zur eigenen Website als wenig wertvolle „no follow“ Links gesetzt werden. Und auch der zeitliche Bedarf für die Überwachung der Einträge sollte nicht unterschätzt werden.

Es gibt Beispiele, wo insbesondere große Unternehmen sehr gute Erfolge mit Bewertungsportalen gemacht haben und diese günstige Form der Werbung gezielt fördern. Zu einem Produkt erfolgen zahlreiche Einträge von Käufern. Äußert ein Kunde seine Unzufriedenheit, reagieren in der Regel schnell einige treue Fans. Durch die Menge der Einträge entsteht ein Dialog, von dem Käufer und Verkäufer einen Nutzen haben. Die dynamisch wachsende Dialogisierung ist nicht 1:1 von Massenprodukten auf ärztliche Tätigkeiten übertragbar: Die ärztliche Leistung wird immer individuell erbracht und ist schon aus zeitlichen Gründen auf eine begrenzte Anzahl Patienten begrenzt.

Lesen Sie die nächsten Beiträgen dieser Reihe:

  • Ein Blick ins Ausland auf Bewertungsportale
  • Welche Chancen hat eine Arztpraxis oder Zahnarztpraxis auch ohne Bewertungsportale über das Medium Internet neue Patienten zu gewinnen?

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